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Das III. Hacettepe Übersetzungsatelier 2017

Das III. Hacettepe Übersetzungsatelier 2017, das von der Germanistikabteilung der Hacettepe Universität in Kooperation mit  dem Goethe-Institut Ankara und dem DAAD-Informationszentrum Ankara organisiert wurde, fand vom 16.08. – 25.08.2017 an der Hacettepe Technopolis auf dem Beytepe Campus statt. Jede Werkstatt begann um 9.30 und endete ca. um 17.00 Uhr. Insgesamt nahmen 31 TeilnehmerInnen am Übersetzungsatelier teil und wurden von 2 Dozenten, 2 Professoren und 3 professionellen Übersetzern betreut.

 

 

 

1) Bewerbungsbedingungen

 

Das III. Hacettepe Übersetzungsatelier 2017 war hauptsächlich für Bachelor-, Master- und DoktorstudentInnen in den Abteilungen für Germanistik und Übersetzen und Dolmetschen vorgesehen. Die TeilnehmerInnen mussten einen deutschsprachigen Text ins Türkische und einen türkischsprachigen Text ins Deutsche übersetzen. Durch ein Auswahlverfahren wurden die endgültigen TeilnehmerInnen für das Übersetzungsatelier bestimmt.

 

 

2) Ablauf des Ateliers

 

Mittwoch, 16.08.2017

 

Dieser Tag war für die Anreise der Teilnehmenden und für den Einzug in das Wohnheim auf dem Beytepe-Campus vorgesehen.

 

Donnerstag, 17.08.2017: Prof. Dr. Musa Yaşar SAĞLAM

 

Um 9.30 Uhr wurde das III. Hacettepe Übersetzungsatelier 2017 mit mehreren Reden eröffnet. Der Leiter der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur der Hacettepe Universität Prof. Dr. Musa Yaşar SAĞLAM hielt eine Begrüßungsrede und informierte die Gäste über seine Inspiration für ein Übersetzungsatelier unter Bachelor-, Master- und Doktorstudenten, die ihr Studium in der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur und der Abteilung für Übersetzen und Dolmetschen landesweit absolviert haben. Im Anschluss hielten nach der Reihe der Leiter der Abteilung für Übersetzen und Dolmetschen Prof. Dr. Mümtaz KAYA, die Leiterin des Goethe-Instituts Ankara Dr. Eva MARQUARDT, die Ehegattin des Deutschen Botschafters in Ankara Frau Marion ERDMANN und der ehemalige Lehrbeauftragter der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur Prof. Dr. Armağan ETHEMOĞLU eine Rede um die TeilnehmerInnen und weitere Gäste des Übersetzungsateliers zu begrüßen.

 

Freitag, 18.08.2017: Assoc. Prof. Necdet NEYDİM

 

Der Leiter der Abteilung für Übersetzen und Dolmetschen an der Istanbul Universität Assoc. Prof. Dr. Necdet Neydim beschäftigte sich im Atelier hauptsächlich mit Kinder – und Jugendliteratur und deren Übersetzungen. Neydim übersetzte viele deutsche Werke ins Türkische und leitete somit auch seine Erfahrungen in diesem Bereich an die TeilnehmerInnen weiter. Die TeilnehmerInnen mussten einen Abschnitt eines deutschen Kinderromans ins Türkische übersetzen und das Übersetzte vortragen. Neydim achtete dabei auf den Rhythmus des Textes in der Zielsprache und wies bei Bedarf auf Änderungen hin. Somit betonte Neydim nicht nur die Wichtigkeit der einfachen, sprachlichen Übersetzung in die Zielsprache, sondern auch die enorme Rolle der sprachlichen Betonung und des Rhytmusses im Text. Es folgte eine Diskussion über die Herangehensweise an einen Text, der hauptsächlich für Kinder und Jugendliche bestimmt ist. Fragen wie Was macht einen Text für Kinder aus?, Spielt die Psychologie des Kindes bei der Übersetzung und beim Verfassen von Kindergeschichten eine Rolle? und Muss man für eine erfolgreiche Übersetzung von Kinderliteratur Erfahrungen mit Kinder gemacht haben? Neydim beschäftigte sich ebenfalls mit Märchenübersetzungen und erzählte den TeilnehmerInnen viele originale Märchen, die völlig anders endeten, als den TeilnehmerInnen bisher bekannt war. Necdet Neydim erklärte, dass Märchen ursprünglich für Erwachsene verfasst und später erst kindgetreu umschrieben wurden.

 

Samstag, 19.08.2017: Prof. Dr. İsmail İŞCEN & Frau Marion ERDMANN

 

     An diesem Tag hatten die TeilnehmerInnen des Ateliers die Ehre sowohl Prof. Dr. Ismail İşcen, den Leiter der Abteilung für Übersetzen und Dolmetschen als auch die Ehegattin des deutschen Botschafters in Ankara Frau Marion Erdmann begrüßen zu dürfen. Herr İşcen beschäftigte die TeilnehmerInnen mit unterschiedlichen Perspektiven des Übersetzens, insbesondere dem Unterschied zwischen der Übersetzung von literarischen und sachlichen Texten. Der erste Abschnitt seines Vortrags umfasste eine abstrakte Begründung, während der zweite Abschnitt konkrete Beispiele darstellte und anhand dieser dann Diskussionen geführt wurden. Frau Erdmann beschäftigte sich mit der Übersetzung von Liedern ins Türkische und Deutsche. Das Lied „Die Moorsoldaten“ lag ihr besonders am Herzen, da sie einen persönlichen Bezug zu diesem Lied und seiner Geschichte hat. Sie sprach mit den TeilnehmerInnen über die türkische Übersetzung und darüber, ob sie gelungen sei. Im Anschluss durften die TeilnehmerInnen sich ein kleines Konzert von Frau Erdmann gönnen. Erdmann spielte türkische Volkslieder wie Çanakkale Türküsü, Katibim und das bekannte Lied Hayat Bayram Olsa auf dem türkischen Volksmusikinstrument Saz in Begleitung ihres Saz-Lehrers.

 

Sonntag, 20.08.2017: Exkursion

 

 Dieser Tag war eine gute Gelegenheit, um sich ein wenig zu erholen und die Hauptstadt Ankara zu besichtigen. Der Treffpunkt war an der Zahnmedizinischen Fakultät auf dem Sıhhiye Campus. Von dort aus begann die Exkursion zunächst zur Altstadt Hamamönü, die seit ihrer Restauration zu einer attraktiven Besichtigungegend geworden ist. Nachdem alle durch die schöne Altstadt marschiert sind, ging es weiter zum Ulucanlar-Zentralgefängnis, das seit 2011 als Museum genutzt wird. Nach dem Gefängnis ging es weiter ins Rahmi Koç - Museum, in dem die Teilnehmer eine Kollektion von Automobilen, Schiffen und Flugzeugen bis hin zu historischen Gegenständen des alltäglichen Lebens betrachten konnten. Nach dem Museum ging es weiter hoch zur Burg. Die mühevolle Wanderung wurde mit einer atemberaubenden Sicht über die komplette Stadt belohnt. Nach der Burg ging es wieder abwärts in Richtung Altstadt um das Haus der Dichter und Schriftsteller zu besichtigen. Gedichte und Schriften von berühmten Dichtern und Schriftstellern wie Nazım Hikmet, Necip Fazıl Kısakürek, Ahmet Arif und weitere wurden in diesem Haus zur Schau gestellt.  

 

 

 

Montag, 21.08.2017: Gerhard MEİER

 

 

 

Der Träger des Tarabya - Übersetzerpreises Gerhard Meier ist bekannt für seine Übersetzungen der Werke türkischer Autoren wie Orhan Pamuk und Zülfü Livaneli ins Deutsche. Meier beschäftigte sich im Atelier mit dem Roman Dünya Ağrısı (dt. Weltschmerz) von Ayfer Tunç. Er präsentierte einige ausgewählte Passagen aus dem Buch und übersetzte diese mit den TeilnehmerInnen zunächst ins Deutsche, später auch durch eine Rückübersetzung wieder ins Türkische. Dabei wies Meier auf wichtige Punkte beim Übersetzen von literarischen Texten hin und betonte ebenfalls die Schwierigkeit, die kulturell bedingten Stellen in der Ausgangssprache auch in der Zielsprache beizubehalten. Nach Meier sollte der Effekt, der beim Leser der Übersetzung ausgelöst wird, der gleiche sein, wie wenn dieser den Originaltext liest.

 

Dienstag: 22.08.2017: Tevfik TURAN

 

 Der Träger des Tarabya – Übersetzerpreises Tevfik Turan ist bekannt für seine Übersetzungen der Werke deutscher Autoren wie Patrick Süßkind, Franz Kafka, Walter Benjamin u.a. Turan beschäftigte die TeilnehmerInnen mit der Kurzgeschichte Ein verächtlicher Blick von Kurt Kusenberg. Der Text wurde von den TeilnehmerInnen vor Beginn des Ateliers ins Türkische übersetzt, damit die Übersetzungen der Studenten untereinander vergleicht werden können.

 

Die TeilnehmerInnen und Turan waren sich insbesondere bei der Schwierigkeit der Übersetzungen von kulturell bedingten Phrasen einig. Auf solche müsste man besonders achten, da diese Kultur vermitteln und zu verschiedenen Interpretationen führen können.

 

Mittwoch, 23.08.2017: Assoc. Prof. Ender ATEŞMANN

 

Assoc. Prof. Ender ATEŞMAN informierte die Teilnehmenden zu Beginn seines Vortrags über seinen Werdegang und dann über das Technische Übersetzen, mit dem er sich hauptsächlich jahrelang beschäftigt hatte. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Musa Yaşar SAĞLAM hat er die Abteilung für Übersetzen und Dolmetschen gegründet. Ateşmann beschäftigte sich im Atelier hauptsächlich mit technischen Übersetzungen und leitete seine Erfahrungen am Beispiel einer Bedienungsanleitung an die TeilnehmerInnen weiter.  Zunächst wurde über einzelne, deutsche Begriffe im technischen Bereich diskutiert und mögliche Entsprechungen im Türkischen gesucht. Nach dieser kurzen Vorarbeit wurden längere Passagen aus der Bedienungsanleitung übersetzt. Zwischendurch stellte Ateşmann die Frage, welchen Unterschied es denn zwischen technischen und literarischen Texten gäbe. Nachdem die TeilnehmerInnen unterschiedliche Meinungen zu dieser Frage äußerten, stellte Ateşmann zwei wichtige Übersetzerprogramme vor, die insbesondere bei technischen Übersetzungen von Vorteil sind: Trados und MemSource. Wie diese Programme wirklich funktionieren, erklärte Ateşmann indem er Beispielaufträge an Übersetzer, die auf der Plattform angelemdet sind, verteilte. Zum Schluss hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, Fragen zum technischen Übersetzen zu stellen. Insbesondere interessierten sie sich für den Verdienst eines technischen und literarischen Übersetzers. Laut Ateşmann zahlt sich die mühevolle Arbeit, die insbesondere bei literarischen Übersetzungen der Fall ist, nicht wirklich aus. Bei technischen Übersetzungen jedoch verdient man im Gegensatz zu literarischen Übersetzungen etwas mehr, doch von einem wirklich guten Lohn ist leider nicht die Rede.

 

Donnerstag, 24.08.2017: Nafer ERMİŞ

 

Nafer Ermiş übersetzte Werke von Franz Kafka, Bertolt Brecht, Klaus Mann, Rainer Maria Rilke u.a. ins Türkische. Im Atelier erzählte er zunächst über seinen Werdegang und wie er auch als Lektor arbeitete. Danach folgte eine Frage-Antwort-Runde, die folgende Fragen der TeilnehmerInnen und die jeweiligen Antworten von Nafer Ermiş auf diese. Zusammengefasst redete Ermiş über die Vorgehensweise beim Übersetzen, seinen Übergang von Romanen zu Gedichten, ob bei Gedichtsübersetzungen es notwendig ist, gleichzeitig ein Dichter zu sein. Mit den TeilnehmerInnen diskutierte Ermiş darüber, inwiefern es geeignet ist, einen literarischen Text unter mehreren Personen aufzuteilen, die diesen dann übersetzen.  Ermiş wies darauf hin, dass die Zahl der deutschen Lektore sehr niedrig ist – sie existieren kaum. Auf die Frage, ob Nafer Ermiş vor dem Übersetzen das ganze Buch liest antwortet er mit Nein. Denn wenn er das Buch schon kennt, langweile er sich beim Übersetzen. Am Ende wurde das Gedicht Zähle die Mandeln von Paul Celan behandelt.

 

3) Schluss

 

Das 8-tägige III. Hacettepe Übersetzungsatelier 2017 vereinte Bachelor-, Master- und Doktorstudenten mit professionellen Übersetzern und erfolgreichen Dozenten aus dem Bereich der Übersetzungswissenschaft. Die Teilnehmer hatten nicht nur die Möglichkeit bestimmte Texte ins Deutsche und Türkische zu übersetzen, sondern das Wesen des Übersetzens in beiden Sprachen näher zu erleben. Mit verschiedenen Methoden und Arbeitstechniken konnten sich die TeilnehmerInnen sowohl untereinander als auch mit den Betreuern austauschen und ihre schon an den Universitäten erworbenen Erkenntnisse in diesen Bereichen vertiefen. Im Atelier traf die Theorie auf die Praxis und die Studenten erlangten somit eine neue Perspektive des Übersetzens und Übersetzer-Seins. Von literarischen Texten wie Romane und Gedichte bis hin zu sachlichen Texten wie Berichte oder Bedienungsanleitungen vermittelten den Studenten unterschiedliche Informationen bezüglich deren Übersetzungen: Jede Textsorte setzt unterschiedliche Vorarbeiten vor dem Übersetzen voraus.

 

Da die Übersetzung von insbesondere literarischen Texten auch gleichzeitig ein Kulturtransfer ist, spielt sie eine enorme Rolle bei der Entwicklung der deutsch-türkischen Beziehung im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich. Beim Lesen der Übersetzung eines türkischen Werks lernt der Deutschsprachige die türkische Kultur näher kennen und hat die Möglichkeit Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten im Vergleich zu seiner eigenen Kultur aufzudecken. Das gleiche gilt für den türkischsprachigen Leser von deutschen Übersetzungen.  

 

 Übersetzer sind gleichzeitig die Vermittler zwischen beiden Kulturen. Je präziser und sorgfältiger die Übersetzungsarbeit geleistet wird, desto erfolgreicher gelingt die Vermittlung zwischen beiden Kulturen. Auch in diesem Atelier wurde zwischen beiden Kulturen vermittelt und sowohl Gemeinsamkeiten als auch Verschiedenheiten aufgezeigt. Diese dienten der Weiterentwicklung eines jeden Bachelor-, Master- und Doktorstudenten, der im Bereich der deutschen Sprache und Literatur tätig ist und zukünftig auch sein wird. Im Gegensatz zum Frontalunterricht an den Universitäten, hatten die Studenten in solch einer Werkstatt die Möglichkeit, interaktiv zu arbeiten, ihre Erfahrungen und Eindrücke miteinander zu teilen, auf ihre Weiterbildung aktiv aufzubauen und neu Erlerntes durch selbstständiges Arbeiten zu festigen.


Teilnehmerinnen und Teilnehmer der III. Hacettepe Übersetzungswerkstatt
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der III. Hacettepe Übersetzungswerkstatt
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