Ein Erfahrungsbericht einer DAAD-Stipendiatin aus dem Fachbereich Germanistik

Ich heiße Begüm Kardeş und bin derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Germanistik-Abteilung an der Hacettepe Universität. Seit August 2021 befinde ich mich im Rahmen eines DAAD-Forschungsstipendiums an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.

Um besser verstehen zu können, warum ich mich im Rahmen eines DAAD-Forschungsstipendiums in Deutschland befinde, würde ich euch gerne etwas zu meiner Person erzählen.

Geboren und aufgewachsen bin ich in Deutschland. Nachdem ich die gymnasiale 11. Klasse absolviert habe, entschieden sich meine Eltern in die Türkei zurückzukehren. So sehr es mir als Jugendliche auch das Herz brach, all die Gewohnheiten, Schule, Familie, Freunde – kurz ausgedrückt 17 Jahre Deutschland – zurückzulassen, beschloss ich das Beste aus dem Leben in der Türkei zu machen.

In der Phase meiner Promotion habe ich schnell gemerkt, dass ich oft Schwierigkeiten hatte, an qualitative deutschsprachige Literatur zu kommen. Zudem hatte mein Promotionsthema einen soziologischen Teil, den ich nur aktiv in Deutschland durchführen konnte.

Das DAAD Informationszentrum in Ankara hat mich sowohl im Bewerbungsprozess als auch nach dem Erhalt der Förderung stets unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Auch im DAAD-Portal konnte man auf jede Frage zügig eine Antwort bekommen. Zudem möchte ich hervorheben, dass DAAD-Stipendien insbesondere für Studierende aus der Türkei, die aus wirtschaftlichen Gründen oftmals nicht ins Ausland gehen können, einen wichtigen Schritt Richtung Deutschland und Europa ermöglichen.

Nun möchte ich euch einen kleinen Einblick in meinen bisherigen Aufenthalt in Deutschland geben:

Essen – Veranstaltungen auf dem Zeche Zollverein

Im August angekommen, war meine erste Station das Weltkulturerbe Zollverein in Essen. Aufgrund des 60. Jubiläums des Anwerbeabkommens zwischen der Türkei und Deutschland fanden hier Veranstaltungsreihen in Kooperation mit dem Ruhr Museum statt. Diese Veranstaltungen, wie z.B. Symposien, Podiumsdiskussionen oder Workshops, wurden im Rahmen der Sonderausstellung Wir sind von hier. Türkisch-Deutsches Leben 1990. vom berühmten Fotografen Ergün Çağatay durchgeführt. Da diese Veranstaltungen auch zu meiner Doktorarbeit beitragen sollten, legte ich Wert darauf, möglichst viele von diesen zu besuchen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Solche Symposien vor Ort besuchen zu können hat vielerlei Vorteile: Man hat die Möglichkeit, wichtige Persönlichkeiten wie Wissenschaftler, Schriftsteller, Regisseure, Journalisten usw. die selbst über das Migrationsgeschehen forschen, kennenzulernen und sich auszutauschen. Außerdem ist der Input solcher Veranstaltungen recht groß. Ich habe vor allem gemerkt, dass ein einziger Besuch solcher Veranstaltungen mir vielleicht wochenlanges Einlesen in Fachliteratur erspart hat. Insbesondere solche Erkenntnisse haben mich immer wieder daran erinnert, welche enorme Bereicherung der DAAD im eigenen Land eigentlich ist.

Berlin – Besuch beim Zweitbetreuer

Gegen Ende August habe ich mir vorgenommen, meinen Zweitbetreuer Prof. Dr. Alexander Kartosia in Berlin zu besuchen, um uns über den weiteren Verlauf der Doktorarbeit auszutauschen. Nebenbei habe ich natürlich auch die Gelegenheit genutzt, Berlin genauer zu erkunden. So ist ein DAAD-Stipendium zunächst für die eigene Forschung gedacht, doch sollte man diese auch nutzen, um seiner kulturellen und persönlichen Entwicklung zusätzlich beizutragen.

Fazit

In Deutschland anzukommen und mich an das Land zu gewöhnen war überhaupt nicht schwierig für mich, da ich – wie oben schon erwähnt – hier aufgewachsen bin. Daher waren mir Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Länder und Kulturen schon bekannt. Ich hatte somit mehr Zeit, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nun sind 2 Monate vergangen und ich kann nur jedem ans Herz legen, eine bestimmte Zeit in Deutschland zu verbringen. Allein die Auslandserfahrung für jeden Einzelnen wird eine unterschiedliche sein und sowohl eurer persönlichen als auch kulturellen Entwicklung beitragen und ihr werdet am Ende die Welt mit anderen Augen betrachten. Vor allem wir Studierenden in der Türkei haben es wirklich schwer ins Ausland zu gehen – die Gründe sind wohl jedem bekannt, denke ich. Aber wir können uns alle glücklich schätzen, den DAAD mit ihren zuvorkommenden Mitarbeitern vor Ort zu haben, die uns in jedem Stadium bei unserer Reise nach Deutschland stets aufmerksam unterstützen.