Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Alumni und Kooperationspartner*innen,

nach über fünf Jahren als DAAD-Lektorin in der Türkei – davon knapp vier Jahre als Leiterin des DAAD-Informationszentrum Ankara – ist nun die Zeit des Abschieds gekommen.

Ich verlasse die Türkei mit Wehmut, denn Ankara ist ein Ort geworden, der sich mittlerweile wie eine Heimat anfühlt. Es war die Warmherzigkeit der Menschen, die vielen guten Freundschaften, der enge kollegiale Austausch und die hervorragende Zusammenarbeit mit den Kooperationspartner*innen, Hochschulvertreter*innen, DAAD-Alumni und Studierenden, die meine Zeit so besonders gemacht haben.

Es waren nicht die einfachsten Jahre für die Türkei. Ich kam 2016 in ein Land im Ausnahmezustand, der noch bis Mitte 2018 andauerte. Die Stimmung an türkischen Hochschulen war angespannt, die neue Praxis der Ernennung von Hochschulrektoren löste breite Kritik aus, die Hochschulautonomie wurde immer stärker eingeschränkt, einige Bildungsinstitutionen wurden geschlossen, Akademiker*innen entlassen, haben vor Gericht ihre Freiheit verteidigen müssen und die weiteren Jahre waren geprägt von Protesten türkischer Studierender und Wissenschaftler*innen und zuletzt einer Währungskrise.

Gleichzeitig wurde die Arbeit des DAAD und der akademische Austausch stets wertgeschätzt und war gerne gesehen. An den türkischen Hochschulen wurde ich stets mit Herzlichkeit empfangen und konnte gemeinsame Projekte anbahnen und durchführen.                   
Die lange Tradition der türkisch-deutschen Wissenschaftsbeziehungen, die u.a. zurückgeht auf die Zeit des Nationalsozialismus, in der viele deutsche Wissenschaftler Zuflucht in der jungen türkischen Republik fanden, trägt hier ihre Früchte.
Die Zahl der türkisch-deutschen Hochschulkooperationen ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zählt derzeit über 1500 Kooperationen zwischen deutschen und türkischen Hochschulen. Gleichzeitig steigen die Zahlen türkischer Studierender in Deutschland und auch deutsche Studierende sind in Bezug auf internationale Studierende in der Türkei nach Angaben des Türkischen Hochschulrats YÖK auf Platz 7.

Ich blicke zurück auf eine Vielzahl von Veranstaltungen und Projekten, wie zum Beispiel eine große Alumni-Konferenz 2018 unter dem Titel „300 Jahre deutsch-türkische Freundschaft: Stand und Perspektiven“, die wir in Antalya gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Akdeniz Universität und der Trakya Universität ausrichten durften und die den Grundstein für viele weitere Kooperationsprojekte gelegt hat. Im Jahr 2017 starteten wir mit dem ersten Falling Walls Lab in der Türkei in Kooperation mit der Middle East Technical University Ankara, das sich in den kommenden Jahre zu einer renommierten Veranstaltung entwickelt hat. Jedes Jahr richteten wir einen großen Alumni-Empfang im Festgarten der Deutschen Botschaft in Ankara aus, bei dem neue DAAD-Stipendiat*innen zu ihrem Stipendium beglückwunscht wurden und sich mit ehemaligen DAAD-Stipendiat*innen vernetzen konnten. Bei Besuchen an türkischen Hochschulen in der Mittel-, Süd-, und Osttürkei sowie in der Schwarzmeerregion durften meine Kolleg*innen und ich den Studien- und Forschungsstandort Deutschland präsentieren und uns mit türkischen Wissenschaftler*innen austauschen, die einen Teil ihrer akademischen Laufbahn bereits in Deutschland verbracht haben.
Weitere Höhepunkte waren 2019 die Eröffnung des ersten Forschungszentrums für türkisch-deutsche Studien in Ankara (HÜTAI) sowie im Januar 2020 die offizielle Eröffnung des Campus der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul von der damaligen Bundeskanzlerin Angelika Merkel und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Ab März 2020 war unser aller Leben von der Pandemie geprägt und hat auch den Arbeitsalltag unseres DAAD-Informationszentrums stark beeinflusst. Dennoch konnten wir schnell auf digitale Formate umstellen und haben eine Vielzahl von erfolgreichen Online-Veranstaltungen realisiert.
Im Herbst 2021 gab es den vorsichtigen Versuch, zur Normalität zurückzukehren. In Kooperation mit der Deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut Ankara haben wir ein Symposium für Nachwuchwissenschaftler*innen im Bereich Germanistik, Deutsch auf Lehramt/Deutsch als Fremdsprache und Übersetzungswissenschaften unter dem Titel „Zur Zukunft der Germanistik“ ins Leben gerufen.

Ich durfte in all den Jahren viel über die türkische Hochschullandschaft und die türkische Wissenschaftskultur lernen und blicke mit Dankbarkeit zurück auf eine ereignisreiche Zeit, in der ich hoffentlich einen kleinen Beitrag zum akademischen Austausch beider Länder leisten konnte.

Aber meine Arbeit wäre auch ohne großartige Kolleginnen und Kollegen nicht möglich gewesen. Daher gilt an dieser Stelle mein großer Dank meinem Team im DAAD-Informationszentrum Ankara für die hervorragende Zusammenarbeit und ihr tägliches Engagement in den letzten Jahren.
Außerdem danke ich den DAAD-Lektor*innen und Sprachassistent*innen für den engen und offenen Austausch, die kreativen Ideen und die guten Freundschaften, die daraus entstanden sind.
Auch den Kolleginnen und Kollegen der DAAD-Zentrale möchte ich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit danken und natürlich zu allerletzt den Kooperationspartner*innen und Hochschulvertreter*innen in der Türkei dafür, dass sie die deutsch-türkischen Wissenschaftsbeziehungen mit Leben füllen, für ihren unermüdlichen Einsatz an den einzelnen Hochschulen, die Unterstützung unserer Arbeit und dafür, dass Sie mich alle jederzeit mit so viel Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft aufgenommen und oft Unmögliches möglich gemacht haben.

Ihnen allen alles Gute und herzliche Grüße,

Ihre

Franziska Trepke