Seit Wintersemester 2021 findet einmal im Monat unter der Leitung von DAAD-Lektorin Julia Völker, ein digitaler Leseclub für Studierende der Istanbul Universität und der Istanbul Universität Cerrahpaşa statt. Ziel der Veranstaltung ist der informelle Austausch über bedeutende Werke der deutschsprachigen Literatur, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf epischen Texten des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts liegt.

Die Teilnehmenden, Studierende aus den Fachbereichen Germanistik, Übersetzungswissenschaft und Deutsch als Fremdsprache, verbindet ihre Begeisterung für Literatur.  Der Leseclub bietet ihnen die Möglichkeit, Wissen über die Texte auszutauschen, Eindrücke zu formulieren und eigene Gedanken zur Diskussion zu stellen. Dabei geht es weniger um eine abschließende Textinterpretation, denn darum, die Texte aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die Gespräche regen denn auch zum Nachdenken über ein Werk an, wie die angehende Deutschlehrerin Betül Koska betont. Neben Texten wie Johann Wolfgang von Goethes Die Leiden des jungen Werther (1774), Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas (1810) oder E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann (1816), waren es Texte wie Erich Marias Remarques Antikriegsroman Im Westen nichts Neues (1928), der aufgrund seiner Aktualität und Emotionalität überzeugte, oder Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung (1915), die in Erinnerung geblieben sind. Letzterer habe gar, so Miray Kesik, zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Werk des Autors inspiriert.

Doch der Leseclub bietet nicht nur Raum für spannende Diskussionen, sondern bietet den Studierenden ebenfalls Gelegenheit, ihre Deutschkenntnisse praktisch anzuwenden und zu vertiefen: „Weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist, ist es immer nützlich mit anderen zu sprechen“, sagt die Germanistikstudentin Betül Kocabey, die seit der ersten Sitzung im Oktober 2021 am Leseclub teilnimmt. Und auch Mert Eker betont, dass die Auseinandersetzung mit den deutschsprachigen Werken entscheidend dazu beitrage, die eigenen Deutschkenntnisse zu entwickeln, da man sich bei der Lektüre authentischer Texte mit einer Menge neuer Wörter, Redens- und Schreibarten auseinandersetze.

Für die kommende Sitzungen ist die Auseinandersetzung mit Stefan Zweigs Novelle Brief einer Unbekannten (1922) geplant. In der Zukunft stehen zudem Autoren wie Bertolt Brecht, Erich Kästner und Christa Wolf auf dem Programm.