Deutsch-türkische Wissenschaftskooperationen und kultureller Austausch: Das Regionaltreffen Türkei 2025 im Rahmen des 100-jährigen DAAD-Jubiläums
Dr. Nilgün Yüce, DAAD-Lektorin an der Ege Universität in Izmir, eröffnete die Veranstaltung mit einer herzlichen und motivierenden Ansprache. Sie hob die Bedeutung des Treffens für den Austausch und die Vernetzung hervor und bedankte sich besonders bei Eva Borhau für ihr Engagement und ihre Unterstützung bei der Antragsstellung. Im Anschluss übernahm sie die Moderation durch den ersten inhaltlichen Block der Tagung, der Wissenschaftskooperationen gewidmet war.
Prof. Dr. Gonca Günay, Vizepräsidentin für Forschung an der Istanbul Bilgi Universität, begrüßte die Teilnehmenden ganz herzlich. Sie betonte die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem DAAD und würdigte die langjährige Kooperation zwischen der Istanbul Bilgi Universität und dem DAAD.
Antje Schlamm-Götze, Leiterin des DAAD-Referats ST21 für Ostmitteleuropa, Südosteuropa, Südeuropa und die Türkei, informierte per Online-Zuschaltung über aktuelle Förderprogramme des DAAD. Sie betonte die Bedeutung von Mobilität und internationalem Austausch sowie neue Initiativen zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen deutschen und türkischen Hochschulen. Dabei hob sie die Unterstützung für Nachwuchswissenschaftler:innen und Alumni-Netzwerke hervor und unterstrich, wie wichtig es ist, Programme an lokale Bedürfnisse anzupassen.
Dr. Ozan Kuyumcuoğlu, stellvertretender Direktor des Europäischen Instituts der Istanbul Bilgi Universität, berichtete über die Kooperationen im Bereich Europastudien, insbesondere über den Masterstudiengang in Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), Deutschland. Er stellte die vielfältigen Perspektiven der bilateralen Kooperation dar und hob die Bedeutung der Internationalisierung der Studiengänge hervor. Zudem verwies er auf das seit Jahren an der Universität bestehende DAAD-Fachlektorat, das diese Zusammenarbeit inhaltlich begleitet und stärkt.
Ein Überblick über den aktuellen Stand der DAAD-Aktivitäten in der Türkei wurde von Elvan Yılmaz Gümüş vom Informationszentrum (IC) Istanbul gegeben. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Murat Kemaloğlu war sie vor Ort und übernahm den Vortrag. Sie präsentierte aktuelle Zahlen zur Vergabe von Stipendien und stellte die verschiedenen Förderprogramme vor, darunter DAAD-Stipendien für Master- und Promotionsstudiengänge, Austauschprogramme sowie spezifische Angebote für Nachwuchswissenschaftler:innen.
Im inhaltlichen Block zu Wissenschaftskooperationen präsentierte Prof. Dr. Sevinç Hatipoğlu (Istanbul Universität Cerrahpaşa) ein Projekt mit der Universität Paderborn, Deutschland, das den Einsatz von Erzählvideos in literaturdidaktischen Seminaren untersucht. Im Fokus stand das Projekt „EliK – Erklär- und Lehrvideos im internationalen Kontext“, das Lehrvideos in internationale Kooperationen integriert. Ziel ist es, durch digitale Lehrmittel Bildungsinnovationen zu fördern. Darüber hinaus stellte Prof. Hatipoğlu weitere aktuelle Kooperationen vor.
Dr. Deniz Güneş Yardımcı (Istanbul Bilgi Universität) stellte das vom DAAD und TÜBİTAK geförderte bilaterale Forschungsprojekt mit der Universität Duisburg-Essen „Entfernte Nachbarn – Politische Narrative und visuelle Kultur in den deutsch-türkischen Beziehungen“ vor. Dabei betonte sie die vielfältigen Chancen, die solche Projekte nicht nur für die wissenschaftliche Zusammenarbeit bieten, sondern auch für den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und der Türkei. Das Projekt sei ein Beispiel für gelungene interdisziplinäre Kooperation, die weit über akademische Grenzen hinaus Wirkung zeige.
Am Abend versammelten sich die Teilnehmenden im Restaurant Barba Vasilis in Fener zu einem gemeinsamen Essen. In entspannter Atmosphäre fand hier bereits ein erster intensiver Austausch über die Inhalte des Tages statt. Besonders der informelle Rahmen ermöglichte eine vertiefende Reflexion über die Rolle der Wissenschaftskooperationen und die Zukunftsperspektiven der bilateralen Arbeit.
Am zweiten Tag wurde der Themenblock zu den Hochschulkooperationen fortgesetzt mit einem Beitrag von Prof. Dr. Mahmut Karakuş (Istanbul Universität), der die Germanistische Institutspartnerschaft (GIP) mit der Universität Hamburg, Deutschland, vorstellte. Er hob die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit sowie die Mobilität von Studierenden und Lehrenden hervor. Die GIP umfasst neben gemeinsamen Forschungsprojekten auch Lehrveranstaltungen und Workshops. Thematisch beschäftigen sich die Partner unter anderem mit Narrativen der Migration und Remigration im türkischen und deutsch-türkischen Film sowie in der Literatur, Mehrsprachigkeit in Filmen, Texten und urbanen Räumen.
Im Rahmen des Jubiläums „100 Jahre DAAD“ folgte ein Block mit Beiträgen von Alumni. Prof. Dr. Canan Şenöz Ayata, Professorin an der Istanbul Universität und Vorsitzende des deutsch-türkischen Kulturbeirats, berichtete sehr persönlich und eindrücklich von ihren beinahe vierzig Jahren Erfahrung im akademischen Austausch mit Deutschland. Anhand alter Einladungsschreiben und Fotos zeichnete sie ihren Weg als geförderte Wissenschaftlerin nach. Ihre Präsentation war zugleich informativ und berührend.
Im Anschluss sprach Manuela Volz, DAAD-Lektorin an der Akdeniz Universität Antalya, über ihre Zeit als Studentin an der Istanbul Universität von 1997 bis 1999. Sie reflektierte ihre damaligen Eindrücke und berichtete, dass ihr Aufenthalt in der Türkei durch ein DAAD-Stipendium gefördert wurde und sie den Aufenthalt darüber hinaus verlängerte. Viele Jahre später kehrte sie als DAAD-Lektorin in die Türkei zurück und konnte dadurch ihre Verbindung zu Land und Kultur vertiefen.
Maurice Vollerigh (Marmara Universität) und David Nicolas Fanz (Dokuz Eylül Universität) berichteten über ihre Erfahrungen als DAAD-Lehrassistenten in der Türkei und gaben Einblicke in den universitären Alltag, Herausforderungen im DaF-Unterricht sowie ihre Motivation für den Einsatz in der Lehre.
Aysel Karatekin schilderte eindrucksvoll, wie sie durch ihre Teilnahme an einem DAAD-Hochschulsommerkurs in Deutschland ihre akademische Laufbahn inspiriert und motiviert bekam.
Der Nachmittag stand im Zeichen der Lehre und Lektoratsarbeit. Dr. Nilgün Yüce präsentierte die deutschsprachigen Fachbereiche an der Ege Universität und der Dokuz Eylül Universität in Izmir. Sie gab einen Einblick in die Entwicklung und das Profil der beiden Standorte und schilderte zentrale Herausforderungen und Perspektiven für den Deutschunterricht an staatlichen Universitäten in der Türkei. Besonders betonte sie die Bedeutung einer praxisnahen Ausbildung, den Bedarf an kontinuierlicher curricularer Weiterentwicklung sowie den Wert interdisziplinärer Ansätze. Darüber hinaus hob sie hervor, wie wichtig institutionelle Unterstützung und internationale Kooperationen – etwa über den DAAD – für die Stärkung und Weiterentwicklung der Fachbereiche seien.
Manuela Volz stellte aktuelle Forschungsprojekte des Fachbereichs Germanistik an der Akdeniz Universität vor. Im Anschluss gab sie einen Überblick über die Germanistische Institutspartnerschaft zwischen der Universität Paderborn, der Akdeniz Universität Antalya und der Marmara Universität Istanbul. Im Mittelpunkt dieser Kooperation steht die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung zu nachhaltiger Entwicklung, Global Citizen Education und Tourismus. Besonders im Fokus standen dabei neue interdisziplinäre Ansätze in Verbindung mit Tourismusforschung, darunter auch Projekte zum Thema Gesundheitstourismus.
Eva Borhau (Middle East Technical University Ankara) berichtete zunächst über ihren vielfaltssensiblen DaF-Workshop, der die unterschiedlichen Bedürfnisse und Hintergründe der Teilnehmenden berücksichtigt. Anschließend stellte sie das Falling Walls Lab Türkiye vor, eine Plattform für Studierende und junge Berufstätige, um innovative Ideen zu präsentieren. Gewinner qualifizieren sich für das Finale in Berlin und den Falling Walls Science Summit, mit Chancen auf den Titel „Breakthrough Winner“. Das Lab Türkiye findet am 9. September im CoZone/Teknokent in Ankara statt und wird von der Middle East Technical University (ODTÜ) unterstützt.
Dr. Michael Seyfarth (Marmara Universität) sprach über Erasmus-geförderte Lehrformate im Bereich Deutsch als Fremdsprache, insbesondere über sogenannte „Blended Intensive Programmes“ und „Blended Short-term Mobilities“. Er erläuterte dabei ein konkretes Programm mit dem Titel „Migrationsbezogene Diskurse im postmigrantischen Europa“, an dem die Marmara Universität in der Türkei, das Herder-Institut der Universität Leipzig in Deutschland sowie die Adam-Mickiewicz-Universität Poznań in Polen beteiligt waren. Ziel des Programms war es, migrationsbezogene Diskurse aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Workshops zu Themen wie Mehrsprachigkeit, (Neo-)Linguizismus, Diskurstheorie, postmigrantischer Literatur und ihren didaktischen Implikationen standen im Zentrum. Der wissenschaftliche Austausch der Studierenden sowie die Auseinandersetzung mit verschiedenen akademischen Diskurskulturen bildeten den Kern der intensiven Zusammenarbeit.
Dr. Susanne Lorenz (Istanbul Universität) erläuterte eindrucksvoll, wie die studentische Zeitschrift „Gänsekiel“ von der Idee bis zur Druckfassung entsteht. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt aller vier Klassen des Bachelorstudiengangs. Für die zweite Ausgabe wurde eigens ein Workshop zum kreativen Schreiben für Studierende organisiert. Sie betonte den hohen Stellenwert studentischer Eigeninitiative und hob hervor, wie Projekte dieser Art zum Erwerb von Kompetenzen in Wissenschaftskommunikation, redaktioneller Arbeit und interkulturellem Austausch beitragen. Die Zeitschrift dient als lebendiges Beispiel für praxisnahe Lehre und fördert gleichzeitig die Vernetzung der Studierenden.
Die ursprünglich für den späten Nachmittag geplante gemeinsame Austauschrunde zu Strategie, Öffentlichkeitsarbeit und Standortentwicklung wurde in das abschließende gemeinsame Abendessen im Restaurant Eleos in Beyoğlu integriert. In vertraulicher und kollegialer Atmosphäre wurden hier zentrale Anliegen der Lektor:innen, Perspektiven für zukünftige Kooperationen sowie strukturelle Themen wie Sichtbarkeit und Koordination diskutiert.
Das Regionaltreffen unterstrich die außerordentliche Bedeutung der DAAD-Kooperation zwischen Deutschland und der Türkei, die nicht nur auf akademischem Austausch beruht, sondern auch auf vertrauensvollen Partnerschaften und einer lebendigen Vernetzung der Akteur:innen vor Ort. Die vielfältigen Projekte und Initiativen zeigen, wie nachhaltig wissenschaftliche Zusammenarbeit, Lehrmobilität und kultureller Dialog gefördert werden. Solche Treffen sind essenziell, um Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen gemeinsam zu begegnen und neue Impulse für die weitere Zusammenarbeit zu setzen.
Die Veranstaltung bestätigte erneut, dass die DAAD-Aktivitäten in der Türkei einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung der Hochschulen leisten und maßgeblich zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen beitragen. Die Vernetzung von Lehrenden, Studierenden und Alumni schafft dauerhafte Brücken, die über die reine akademische Kooperation hinausgehen.
Dr. Deniz Güneş Yardımcı











